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Dinge in Japan: Yakuza

Yakuza. Die alleinige Erwähnung des Wortes beschwört Bilder von tätowierten Gangstern mit dauergewellten Haaren und fehlenden Fingern herauf, die in allen möglichen kriminellen Aktivitäten verwickelt sind. Stimmt das wirklich oder handelt es sich etwa nur um eine missverstandene Gruppe von Leuten, die eine wichtige Rolle in der japanischen Gesellschaft spielen?

Der Begriff Yakuza stammt aus der japanischen Version von Siebzehn-und-Vier, die ‚Oicho Kabu' heisst. Ziel des Spiels ist es 19 zu erreichen (im Gegensatz zu 21 beim Black Jack) und alles über dieser Zahl ist wertlos. 8-9-3 oder ya-ku-za ist der Ausdruck für die Kombination die genau 20 ergibt. Daher wurde das Wort ya-ku-za für Leute benutzt, die man als wertlos erachtete.

Zum ersten Mal taucht der Begriff im frühen 17. Jahrhundert auf und beschreibt Männer, die auch ‚kabuki mono' oder ‚Verrückte' genannt wurden. Die Punker des 17.Jhd (Anm. d. Üsetz.) fielen auf durch ihre schräge Kleidung, einen seltsamen Haarschnitt und ihr schlechtes Verhalten. Während der Shogun-Periode reisten diese Leute, die auch Ronin genannt wurden (Samurai ohne Meister), in kleinen Gruppen durch Japan und beraubten und plünderten kleine Städte und Dörfer.

Zur Verteidigung ihrer Städte vor der Plage der ‚kabuki mono' formierte sich in dieser Zeit eine andere Gruppe, die Machi-Yakko (Stadt-Diener) genannt wurden. Sie waren hauptsächlich Ladenbesitzern, Händler und Ronin und waren bei den Menschen dieser Epoche sehr angesehen. Die heutigen Yakuza sehen diese Stadt-Diener als ihre wahren Vorfahren an. Viele von Ihnen würden gerne als Helfer und Retter angesehen werden, so wie es die Machi-Yakko vor 200 Jahren waren.

Gegen Ende des 19. Beginn des 20. Jahrhunderts, befand sich Japan in grossen gesellschaftlichen und industriellen Umbrüchen und die Yakuza passten sich schnell an die neuen Zeiten und die neuen Chancen an. Sie begannen neue Mitglieder aus der Schifffahrts- und Bauindustrie zu rekrutieren und mit den Behörden zu kooperieren, um im Gegensatz eine bessere Behandlung durch die Polizei zu bekommen. Die Anzahl der Yakuza-Mitglieder stieg ständig bis Japan in den Zweiten Weltkrieg eintrat. Zu Beginn der amerikanischen Besatzungszeit waren Nahrungsmittel rationiert und es entwickelte sich ein blühender Schwarzmarkt auf dem es eine grosse Auswahl an Artikel gab - und die Yakuza mittendrin. Die neue Form der Strassenhändler wurde als ‚Gurentai' bezeichnet. Die Yakuza übernahm nicht nur die Tätigkeiten der italienischen Mafia, die zu der Zeit besonders aktiv in den USA war, sondern auch deren Stil: dunkle Anzüge, weisse Schuhe und kurze Haare wurden populär.

Zwischen 1958 und 1963 stieg die Zahl der Yakuza-Mitglieder zu eine Rekordhöhe von 180.000 Leuten an, etwa 5.000 Gangs in ganz Japan. Mit den Gangs wuchs auch die Gewalt wegen der Verteidigung der Gebietsansprüche. Seit den Sechzigern sind die Yakuza-Mitglieder wieder gefallen. Eine Schätzung der Staatspolizei von 1988 geht von 3.400 Vereinigungen des organisierten Verbrechens aus und einer Mitgliederzahl von 100.000 Leuten (im Vergleich zu etwa 30.000 in den USA).

In letzter Zeit mischt sich die Yakuza auch in die legitime Gesellschaft ein und zwar über Geschäfte, zu denen sie leichten Zugang hat: Finanzen, Immobilien und Investment-banking. Es besteht die Sorge, dass die Yakuza so viel monetäre Macht gewinnen könnte, damit die gesamte japanische Wirtschaft zu gefährden. 1992 wurden Schritte unternommen, die die zunehmende politischen und finanzielle Macht der Yakuza einschrenken sollten. Als das "Gesetz zur Verhinderung von illegalen Aktivitäten durch kriminelle Vereinigungen (boryokudan)" verabschiedet wurde, organisierten die Ehefrauen und Töchter der Yakuza-Mitglieder einen Protestmarsch durch Tokios Stadtteil Ginza.

Das neue Gesetz hat nicht wirklich viel verändert und die Yakuza ist immer noch allgegenwärtig in der japanischen Gesellschaft. Das konnte man am besten sehen, als ein starkes Erdbeben grosse Zerstörungen in Japan anrichtete. Besonders hart war die Stadt Kobe davon betroffen - Heimat eine der grössten Yakuza-Organisationen: Yamaguchi-gumi. Direkt nach dem Erdbeben dauerte es, bis die lokalen Behörden auf die Zerstörung reagieren konnten, aber die lokale Yakuza war sofort mit Kleidung und Nahrungsmittel für die Not leidende Bevölkerung zur Stelle - nicht nur zur Blamage der Behörden, aber auch ein gelungener PR-Schlag für die Yakuza.

Bevor ich nach Japan kam, war Yakuza für mich nur das japanische Gegenstück zu den italienischen, russischen oder amerikanischen Varianten des organisierten Verbrechens. So denken auch viele andere und sehen die Yakuza als Schande der japanischen Gesellschaft an. Je länger ich aber in Japan bin, desto eher beginne ich zu verstehen, dass die Yakuza doch eine Lücke in dieser Gesellschaft ausfüllt. Es liegt in der Art der Japaner, Konflikten eher auszuweichen, als sie durch Rechtsanwälte lösen zu lassen. In diesen Fällen kann es also durchaus hilfreich sein, sich für Hilfe bei Problemen eher an die lokale Yakuza, als die Polizei zu wenden. Die Situation wird vielleicht auf brutalere Art und Weise gelöst, aber schneller und unkomplizierter als auf dem legalen Weg. In dieser Richtung kann man vielleicht erklären, warum Japans Kriminalitätsrate so niedrig ist. Oder die Yakuza sind einfach nur Gangster, die die Kunst perfektioniert haben, den Hang der Japaner, persönliche Beziehungen anstatt rechtlicher Mittel zu nutzen um Probleme zu lösen.

Mitgliedschaft: Es gibt keine besonderen Vorraussetzungen für die Mitgliedschaft, aber einzelne Gangs haben sicher ihre eigenen Regeln. Typische Yakuza-Mitglieder sind oft: Jugendliche, die von Ihren Eltern verstossen wurden, Leute die keine Lust haben oder es nicht geschafft haben sich an die Hochdrucks-Gesellschaft und das strenge Schulsystem anzupassen oder Flüchtlinge aus Nachbarländern.

Tätowierungen: Tätowierungen sind ein Zeichen für Yakuza-Mitgliedschaft und immer noch bei vielen Japanern sehr unbeliebt. Leute mit Tätowierung, die in ein Onsen (heisse Quelle), ein Schwimmbad oder eine andere öffentliche Badeanstalt gehen wollen, bekommen oft Schwierigkeiten. Entweder ihnen wird der Zutritt verweigert oder sie werden aufgefordert, die beleidigende Körperfläche zu bedecken. Dabei wird keine Ausnahme gemacht, ob der Tätowierte Japaner oder Ausländer ist. Normalerweise tragen Yakuza-Mitglieder ein Gang- oder Gruppenzeichen. Die Vorliebe für Tinte in der Haut kommt angeblich daher, dass Glücksspieler (bakuto) früher für jedes Verbrechen, das sie begangen hatten, einen schwarzen Ring um ihren Arm tätowierten. Später wurde dies dann als Unwilligkeit interpretiert, sich den gesellschaftlichen Normen zu beugen.

Yubitsume: Yubitsume ist der Brauch, sich eine Finger abzuschneiden und dann an seinen Boss (Kamicho) zu schicken. Yubitsume gilt als Entschuldigung für Ungehorsam, oder als Bitte andere zu verschonen. Das erste Mal wird die Spitze des kleinen Fingers abgeschnitten, beim zweiten mal kommt der Ringfinger und so weiter. Man sagt, diese Sitte habe ihren Ursprung auch in der Glücksspielszene. Wenn ein Spieler seine Schulden nicht zurückzahlen konnte, schlug man ihm die Spitze des kleinen Finger ab; dies erschwerte ihm in Zukunft ein Schwert zu halten.

Bücher über die Yakuza: Wenn Sie mehr über Yakuza wissen wollen, können Sie es mit folgenden englischen Büchern probieren:

Yakuza Diary : Doing Time in the Japanese Underworld von Christopher Seymour.

Yakuza : The Explosive Account of Japan's Criminal Underworld von David E Kaplan, Alec Dubro.

The Photography : Yakuza, Portraits of Japanese Gangs von Michael Soejima.

The Tattooed Men : An American Woman Reports on the Japanese Criminal Underworld von Florence Rome.


Eine nette Yakuza-Seite in Deutsch

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