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Dinge in Japan - Fussballweltmeisterschaft 2002

Die grösste Sportveranstaltung der japanischen Geschichte waren die Olympischen Spiele 1964, die Japan der Weltöffentlichkeit näher gebracht haben. Zu diesem Anlass wurde der Shinkansen eingeweiht und seine Entwicklung zeigte die erste kommerzielle Anwendung von Computertechnologie, um Abläufe zu berechnen. Die Olympischen Spiele waren zu diesem Zeitpunkt die teuersten, die es je gegeben hatte. Um Japan auf der Weltkarte einen Namen zu machen, wurden $3 Milliarden Doller ausgegeben. Seit den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano, war Japan nie Gastgeber für eine internationale Sportveranstaltung, die sich daran hätte messen können. Das wird sich ab Juni 2002 ändern, wenn Japan und Korea Gastgeber des grössten Sportereignisses der Welt sein werden.

Die Fussballweltmeisterschaft 2002 wird die erste sein, die auf dem Asiatischen Kontinent ausgetragen wird und auch die erste die von zwei Nationen zusammen ausgetragen wird. Die Meisten waren über die FIFA-Entscheidung von 1996 sehr überrascht, dass die Weltmeisterschaft in zwei Ländern austragen werden sollte, die beide eine turbulente Geschichte haben. Beide Länder waren mit der Entscheidung unzufrieden - Südkorea dachte, dass es mit der Sommerolympiade 1988 in Seoul wohl unter Beweis gestellt hätte, dass es alleine in der Lage wäre eine Sportveranstaltung dieser Grössenordnung auszurichten und Japan dachte, dass der erfolgreiche Start der J-Liga (japanische Bundesliga) gereicht hätte, zu demonstrieren, dass seine Infrastruktur ausreichen würde, diesen Wettkampf ebenfalls allein auszutragen.

Japan und Südkorea kämpften mit harten Bandagen, den Wettbewerb doch noch als alleinige Ausrichter durchführen zu können. Die Anschuldigungen reichten von Bestechungsvorwürfen bis zu Denunziationen wegen Betrugs. Mit der Zeit verbesserten sich die Beziehungen der Länder zueinander aber wieder. Die wurde dann wieder getrübt, als es im Juli 2001 zu einer öffentlichen Debatte über ein neues, kontroverses Schulbuch kam, dessen Einführung vom japanischen Kultusministerium genehmigt worden war. Dabei ging es um die Darstellung des Japanischen Kolonialismus in Korea zwischen 1910 und 1945. Der Vorwurf Koreas, war die Texte in diesem neuen Schulbuch würden die Geschichte verzerrt darstellen und Japans Gräueltaten im Krieg überspielen. Die gemeinschaftliche Ausrichtung des friedlichen Sportereignisses hat aber sicher zur Entspannung der Beziehungen geführt. Südkorea hebt langsam den Bann, der für zeitgenössische japanische Kultur verhängt worden war und die Besucherzahlen zwischen den Ländern nehmen wieder weiter zu.

Die Fussball-Ligen der beiden Länder sind im Vergleich mit anderen Fussballnationen noch recht jung. Die "J-League" wurde offiziell am 15. Mai 1993 mit 10 Mannschaften gegründet. Fussball wurde hier mit anderen Regeln gespielt, wie wir sie aus anderen Ligen kennen. Es gab keine Unentschieden, denn die Spiele wurden bei Gleichstand im "sudden-death"-Modus (Golden-Goal), Verlängerung und Elfmeterschiessen entschieden. Dieses Experiment ging ein paar Jahre lang, bis man von dieser Regelung wieder Abstand nahm und Unentschieden erlaubte. Der vielleicht grösste Unterschied, den man bereits während Japans Heldentaten bei der Weltmeisterschaft 1998 bestaunen konnte, ist der Enthusiasmus der japanischen Fans. Riesige Flaggen, organisierte Chöre und die grosse Anzahl von weiblichen Fans haben das Bild des japanischen Fussballs geprägt. Tatsächlich hatte es das Marketing bei der Einführung der "J-League" besonders darauf abgesehen, Frauen zu begeistern.

Das Ansehen der Japanischen Liga wurde vor allem durch die Verpflichtung von ausländischen Fussballgrössen aufgewertet. Einige junge Spieler in ihren besten Jahren gingen nach Japan: zum Beispiel, Zico, Gary Lineker und das beste Beispiel Dunga, der für Jubilo Iwata spielte während er noch Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft war. Unter den älteren Stars, die in J-League gespielt haben sind Christo Stoichkov, Julio Salinas, Andoni Goicoechea, Salvatore Schillaci und der gute Litti. (Pierre Littbarski hat sich inzwischen auch an der Veröffentlichung eines Japanisch-Lernbuches versucht - wenn er also Japanisch gelernt hat, sollten Sie das wohl auch hinkriegen…). Japanische Spieler zeigen inzwischen auch im Ausland was sie drauf haben. Zur Zeit spielen drei Japaner in der Englischen Premier League, einer in Holland, Italien, Spanien und Brasilien. Obwohl die Fussballbegeisterung seit der Einfühurng 1993 ein bisschen nachgelassen hat, nimmt sie jetzt wegen der WM wieder umsomehr zu. Auch werden die Leistungen der japanischen Nationalmannschaft immer besser. Im "Confederations Cup", bei dem Weltmeister Frankreich und Brasilien dabei waren, schaffte es Japan sogar bis ins Finale und schlug Teams wie Australien, Kamerun und Kanda und bewerkstelligte ein Unentschieden gegen Brasilien.

Wird Japan die WM 2002 gewinnen? Wahrscheinlich nicht, denn das erklärte Ziel ist erst mal die Vorrunde zu überleben und ins Achtelfinale zu kommen. Dabei hängt natürlich alles von den Gegnern in der Gruppe ab. Bei der Ziehung der Gruppengegner am 1. Dezember können Japan und Korea nur hoffen, dass die FIFA-Glücksfee auf der Seite der beiden Gastgeber ist, damit beide Nationen in möglichst einfache Gruppen kommen. Aber Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Chancen ein bisschen besser stehen, wenn man die WM ausrichtet. Wenn eine der Mannschaften über die Gruppenspiele heraus kommt, ist es auf jeden Fall eine Leistung. Für den Rest der Welt wird es auf jeden Fall ein grosses Spektakel und man kann hoffen, dass etwas von der japanischen Fussballkultur auf die Gäste abfärbt: die friedliche, fröhliche Stimmung und die Teilnahme von zahlreichen weiblichen Fans.

External Links:

http://www.2002worldcupkorea.org/eng/index.php3 http://www.jawoc.or.jp/index_e.htm http://www.fifa.com http://www.soccerphile.com/html/ho/ho.html http://www.soccernet.com http://www.2002japan.co.uk

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